Historische Gebäude erzählen viele Geschichten – doch sie stellen Museen auch vor besondere Herausforderungen. Gerade beim Thema Heizen treffen hohe energetische Anforderungen, empfindliche Exponate und eine gewachsene Bausubstanz aufeinander. Klassische Lösungen stoßen hier schnell an ihre Grenzen. Um konstante Temperaturen in den Vitrinen zu gewährleisten, Heizkosten zu senken und zugleich den CO₂-Ausstoß deutlich zu reduzieren, ist unser Museum neue Wege gegangen. Mit dem Einsatz der innovativen Vitrinenheizung von thermoheld setzen wir auf eine Technologie, die nicht den Raum, sondern das Objekt in den Mittelpunkt stellt – und damit einen weiteren Schritt in Richtung nachhaltiger Museumsarbeit ermöglicht.
Wir im Museum wollen nachhaltig arbeiten, den CO₂-Ausstoß reduzieren und unseren Beitrag zum Schutz der Umwelt leisten. Deshalb war für uns klar: Auch beim Thema Heizung müssen wir neue Wege denken.
Wenn man dieses Thema konsequent „out of the box“ betrachtet, erkennt man ein großes Effizienzpotenzial – gerade im Museumsbereich.
Das Fränkische Schweiz-Museum ist in einem historischen Fachwerkkomplex aus dem Jahr 1764 mit über 43 Räumen untergebracht.
Wir heizen derzeit mit Öl. Durch viele Fenster, nicht isolierte Dächer und Fehlböden sowie lange wasserführende Heizungsleitungen ist es sehr schwierig, ein stabiles Raumklima zu halten.Ein häufiger Trugschluss ist: Wenn kein Museumsbetrieb stattfindet, könne man die Heizung einfach absenken. Das stimmt nicht.
Die Exponate befinden sich dauerhaft im Museum und benötigen Mindesttemperaturen – Zinn darf zum Beispiel nicht unter 16 Grad Celsius fallen. Heizkosten entstehen also immer.Bisher haben wir – wie die meisten Museen – ganze Räume beheizt, um in den Vitrinen die nötigen Temperaturen zu erreichen. Dabei musste ein großes Luftvolumen erwärmt werden.
Mit dem Vitrinenheizungsprojekt drehen wir dieses Prinzip um: Wir beheizen gezielt die Vitrinen und können die Raumtemperatur insgesamt absenken. Das spart Energie, senkt den CO₂-Ausstoß und reduziert langfristig Kosten.Unsere Besucher bewegen sich ohnehin zwischen den Gebäuden und tragen im Winter Jacken oder Mäntel. Beschwerden wegen leicht abgesenkter Raumtemperaturen erwarten wir daher nicht.
Auf die Firma Thermoheld in Bayreuth sind wir eher zufällig durch ein Gespräch mit einer dem Museum nahestehenden Person aufmerksam geworden.
Ich kannte zwar die Idee von Fassadenfarben, die Strom erzeugen – dass es aber auch Farben gibt, die heizen, war mir neu.Überzeugt hat mich vor allem, dass dieses System ohne großen baulichen Aufwand in ein bestehendes Museum integriert werden kann:
keine aufgestemmten Wände, keine neuen Rohrleitungen, keine zusätzliche Infrastruktur.
Die beheizbare Fläche lässt sich direkt an der Vitrine nachrüsten – klein, gezielt und präzise. Da war schnell klar: Das könnte für uns funktionieren.
Das System arbeitet mit Infrarot-Strahlungswärme. Man kann sich das wie Sonnenwärme vorstellen: In der Sonne wird es warm, im Schatten sofort kühler.
Genauso hier: Erwärmt wird nicht die Luft, sondern direkt das Objekt. Wird die Heizung abgeschaltet, kühlt das Objekt wieder ab.Im Gegensatz zur klassischen Ölheizung, bei der erst die Luft erwärmt wird, erwärmen wir hier direkt die Exponate – die Luft folgt nur sekundär.
Das benötigt deutlich weniger Energie.Ungewöhnlich ist das System weniger technisch, sondern museologisch: Nach unserem Kenntnisstand wird bislang in Museen immer der Raum beheizt, nicht die Vitrine selbst.
Da wir uns in der Testphase befinden, prüfen wir genau, wie unterschiedliche Materialien – etwa Holz oder Zinn – auf die Infrarotwärme reagieren.
Wir sind noch im Testbetrieb. Schon jetzt zeigt sich aber, dass wir die Temperaturen in den Vitrinen sehr präzise steuern können – bei einem vergleichsweise geringen Energieeinsatz.
Die bisherigen Messungen sind vielversprechend und zeigen ein großes Potenzial für eine energieeffiziente und objektschonende Beheizung.
Das Fränkische Schweiz-Museum ist für innovative Ansätze bekannt – etwa durch unser bundesweit beachtetes KI-Projekt.
Das Heizungsprojekt fügt sich nahtlos in diese Linie ein.Wenn die Testphase erfolgreich ist, werden wir unsere Vitrinen schrittweise umrüsten, um stabile Bedingungen für die Objekte zu schaffen – bei deutlich geringeren Energieverbräuchen. Auch die Luftfeuchtigkeit behalten wir dabei im Blick.
In einer zweiten Phase wollen wir noch weitergehen: Dann sollen wasserführende Öl-Heizungsrohre nach und nach stillgelegt werden.
Für den Winter 2026/27 ist im Haus der Landwirtschaft, Trachten und Volksfrömmigkeit eine nachgerüstete Wandheizung mit dem System von Thermoheld geplant. Ziel ist es, die wasserführenden Leitungen vollständig zu entleeren.Der große Vorteil: Neben Energieeinsparung und CO₂-Reduktion erhöhen wir die Sicherheit des Museums erheblich.
Denn neben Feuer ist Wasser eine der größten Gefahren für Museen. Die meisten schweren Schäden entstehen durch geplatzte Leitungen. Eine Havarie dauert nur Sekunden bis wenige Minuten, die Folgen beschäftigen Museen jedoch oft über Monate. Genau das wollen wir vermeiden.Wir gewinnen auf mehreren Ebenen
weniger Energiekosten, weniger Wartungskosten, weniger Emissionen, mehr Sicherheit – und vor allem besseren Schutz für unsere Objekte.